Was passiert eigentlich, wenn man einen Literaturpreis gewinnt? 

Jede Autorin und jeder Autor träumt wohl davon, für ein Werk eine besondere Auszeichnung zu erhalten. Es gibt viele Literaturpreise, auch für Kinder- und Jugendbücher, und insgeheim hofft man wohl immer mal, eines Tages zu den Gewinnern zu gehören. Kein Wunder: Wenn man ein Buch schreibt, möchte man den Lesern ja damit etwas sagen und mit auf den Weg geben oder einfach nur gut unterhalten. In jedem Fall steckt viel Herzblut drin, und es dauert Wochen, Monate oder sogar Jahre, bis ein Manuskript fertig ist und als gedrucktes Buch vorliegt.

  • Auszaehlung_Fr_MenschingPreisentscheidung Juli 2014
Nach rund 15 Jahren in diesem Beruf durfte auch ich mich über zwei Preise freuen: Mein Jugendroman "Dann mach ich eben Schluss" gewann den seit 1971 jährlich vergebenen renommierten Literaturpreis "Buxtehuder Bulle" für das Jahr 2013 und fast im selben Atemzug auch die "Ulmer Unke". Ich hatte mich schon riesig gefreut, als ich von der Nominierung erfuhr, aber dann auch noch mit großem Abstand zu gewinnen, war unfassbar für mich. Zudem räumen meist amerikanische Autoren die bedeutenden Preise ab, wie im Jahr vor mir John Green. Bei der Preisentscheidung im Juli 2014 im schönen Buxtehude war ich live dabei - das hatte, so wurde mir erzählt, noch kein nominierter Autor vor mir gemacht. Es wurde sogar gemunkelt, mein Sieg wäre schon vorher bekannt gewesen, was absoluter Unsinn ist. Die Wahl lief geheim ab, nur die Auszählung der Stimmen war öffentlich. Aber ich war einfach neugierig, wie so eine Preisentscheidung abläuft und bin ohne große Erwartungen hingefahren. Als ich vor der Veranstaltung von der Presse gefragt wurde, ob sie mich anschließend interviewen dürften, auch wenn ich leer ausgehe, sagte ich: "Ja klar! Ich gewinne doch sowieso nicht, es sind so tolle Bücher unter den anderen Nominierten. Fragen sie mich einfach, was Sie wollen."

Die Stimmenauszählung lief dann ähnlich ab wie beim "Eurovision Song Contest": Jedes Jurymitglied durfte schriftlich je 8, 5, 3 und 1 Punkt vergeben. Über einen Beamer konnte das Publikum verfolgen, wie viele Punkte die Bücher bekamen. Ziemlich schnell wurde deutlich, dass "Dann mach ich eben Schluss" weit vorn lag und schließlich gewann. Was für eine Freude! Ich glaube, auf den Bildern kann man sehen, wie überwältigt ich war.

  • Buxtehuder_Bulle_2013© Daniela Ponath Fotografie

Bis zum November 2014 hatte ich Zeit, alles erst mal zu verdauen. Die Stadt Buxtehude und der cbt Verlag hatten sich noch etwas ganz Besonderes ausgedacht:

  • BusDer Bus
Ein Berliner BVG-Bus wurde am Heck mit dem Buchcover, einem Foto von mir und dem Hinweis auf den "Buxtehuder Bullen" beklebt. Einen Monat vor der Preisverleihung fuhr dieser Bus durch Berlin. Tatsächlich teilten mir einige Freunde und Bekannte mit, sie hätten ihn gesehen. Ich selber durfte ihn zwar "besuchen", als er in einer Halle stand, bin jedoch nicht damit gefahren, da nicht herauszufinden war, auf welcher Linie er fuhr.

Vom 17.-21.11. fand dann in Buxtehude die "Bullenwoche" statt. Ich hielt von Montag bis Freitag täglich zwei oder drei Lesungen an Schulen, gab Interviews, Signierstunden und wurde verwöhnt, indem mich die netten und engagierten Veranstalter zum Essen einluden, mir die Stadt und das Alte Land zeigten. In der Buxtehuder Innenstadt durfte ich meine Bodenplatte enthüllen. Jeder der bisher 44 Preisträger wurde auf einer solchen Platte in Buxtehude verewigt und es ist mir eine große Ehre, neben so berühmten Namen stehen zu dürfen.

  • Bodenplatte_Bulle_480Bodenplatte

Besonders gefreut hat es mich, dass meine Tochter Julia und ihre Kommilitonen der Berliner Medienakademie mich die ganze Woche mit der Kamera begleiteten und anschließend einen schönen Erinnerungsfilm zusammenstellten:

https://www.youtube.com/watch?v=fgYBqMuZYPY

Der Höhepunkt war natürlich die feierliche Preisverleihung am 21.11.2014 auf der Halephagen-Bühne in Buxtehude. Meine Familie reiste an, um dem Ereignis beizuwohnen, es gab eine Laudatio und eine Rede der Buxtehuder Bürgermeisterin sowie musikalische Beiträge und einen Poetry Slam. Allen Beiträgen war anzumerken, dass man sich intensiv mit meinem Buch auseinandergesetzt hatte. Es wurde inhaltlich Bezug darauf genommen und sogar die Songs, die ich im Roman erwähnt habe, würden von den jungen Künstlern gespielt.

Schließlich wurde mir die 12,5 kg schwere Skulptur des Buxtehuder Bullen sowie eine Urkunde und ein Scheck mit dem Preisgeld überreicht, dann durfte ich meine Dankesrede halten. Anschließend folgten viele Fotos und weitere Interviews, ehe wir den Abend bei einem gemütliches Essen im Hotel ausklingen ließen.

Es war einfach unvergesslich und ich zehre noch heute davon. Der "Bulle" steht jetzt auf meinem Fensterbrett vor dem Schreibtisch, und immer, wenn ich an einem neuen Manuskript sitze und mal wieder an mir zweifle, schaue ich ihn an und denke: "Das hast du schon erreicht, den kann dir keiner mehr nehmen!" Ein beruhigendes Gefühl.

 

Hier der Link zum Bericht auf der offiziellen Webseite des Buxtehuder Bullen:

 

Hier der offizielle Pressetext nach der Preisverleihung:

"Am 21. November 2014 wurde Christine Fehér der mit 5000€ dotierte und seit 1971 verliehene Leserpreis von der Buxtehuder Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt offiziell überreicht.

  • Buxtehuder_Bulle_2013_Jury© Daniela Ponath Fotografie
Mit ihrem Buch "Dann mach ich eben Schluss" berührte sie vor allen Dingen die 11 jugendlichen Juroren. 

Diese vergaben für das Buch 58 Punkte, die 11 erwachsenen Juroren weitere 35 Punkte. Mit insgesamt 93 Punkten lag das Buch bei den 65 nominierten Titeln also weit vorn und so konnte die glückliche Autorin den "kleinen" Bullen (12,5kg) mit nach Hause nehmen.

Anders als bei dem Vorjahresgewinner dem US-amerikanischen Schriftsteller John Green ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") konnte ihr die Entscheidung der Jury persönlich, und nicht telefonisch mitgeteilt werden. Christine Fehér reiste, als sie von ihrer Nominierung erfuhr, extra nach Buxtehude um der Preisentscheidung beizuwohnen und die Veranstaltung zu würdigen."

 

  • Ulmer_UnkeUlmer Unke
Im selben Herbst bekam ich auch noch die Nachricht, dass "Dann mach ich eben Schluss" auch die "Ulmer Unke", also den Jugendliteraturpreis der Stadt Ulm, gewonnen hat. Auch nach Ulm bin ich gefahren, um meinen Preis persönlich entgegenzunehmen und aus dem Buch vorzulesen. Der Pokal dazu kann sich sehen lassen und leistet meinem Buxtehuder Bullen Gesellschaft.

"Dann mach ich eben Schluss" wurde zudem noch für den Ulla-Hahn-Preis der Stadt Monheim nominiert und erreichte dort immerhin noch einen ansehnlichen dritten Platz.